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Freitag, 10.2.2012

Kälte sorgt bei vielen Bauarbeitern für Einbussen

Die anhaltende Kälte hat viele Baustellen buchstäblich auf Eis gelegt. Ans Bauen ist vielerorts nicht zu denken, viele Arbeiter haben Zwangsferien. Kein Grund zur Freude, denn das bedeutet meist auch weniger Lohn.

Baustelle in St. Gallen: Vielerorts kann derzeit gar nicht gearbeitet werden - es ist schlicht zu kalt. (Keystone)

Von Inlandredaktor Dominik Meier

Es gibt sie: Bauarbeiter, die den Minustemperaturen trotzen. Zum Beispiel in einem Rohbau in Bern. Drei Männer schweissen dort Leitungsrohre. Drei Pullover habe er an, sagt der eine. Für den anderen sind regelmässige Pausen das Rezept gegen die klirrende Kälte.

Die drei Männer sind allein auf der Baustelle, ihre Kollegen haben kältefrei. Fürs Betonieren zum Beispiel ist es derzeit schlicht zu kalt. Martin Senn vom Baumeisterverband schätzt, dass zurzeit nur etwa ein Drittel aller Bauarbeiter arbeite. Viele Firmen hätten einen Antrag gestellt auf Schlechtwetterentschädigung.

Arbeitslosenversicherung springt nach zwei Tagen ein
Das System funktioniert so: Die Baufirmen bezahlen die Löhne für die ersten zwei kältefreien Tage selbst, danach springt die Arbeitslosenversicherung ein. Die Bauarbeiter erhalten 80 Prozent ihres Lohnes.

Für die Gewerkschaften ist das zu wenig. Bereits zehn kältefreie Tage führten so zu massiven Lohneinbussen, sagt Nico Lutz von der Gewerkschaft Unia. «Auf einen durchschnittlichen Lohn macht das mehrere hundert Franken aus. Dort braucht es eine Lösung, damit in solchen Situationen nicht empfindliche Einbussen resultieren.»

Einigung - aber nur fast
Im Herbst hätten sich Gewerkschaften und Baumeister beinahe auf eine Lösung geeinigt. Die Idee: Die Firmen und die Arbeiter zahlen Monat für Monat in einen Fonds ein. Mit dem Geld würde die Schlechtwetterentschädigung auf 100 Prozent aufgestockt und die Firmen für die ersten zwei Kältetage entschädigt, die sie selbst bezahlen.

Im November allerdings distanzierten sich die Baumeister von der Idee. Zu bürokratisch sei sie, sagt Martin Senn vom Baumeisterverband, und kaum umsetzbar. «Die Schwankungen zwischen den Schlechtwettertagen von Jahr zu Jahr sind so massiv, dass die Festlegung eines Fonds fast nicht möglich ist. Das heisst, er ist entweder sehr schnell leer oder er ist viel zu gross.» Gewerkschafter Lutz sieht es anders und sagt: Man habe eine gute rechnerische Lösung gefunden in den Verhandlungen.

Nur ein Streitpunkt
Die Schlechtwetter-Entschädigung war einer von mehreren Streitpunkten in den Verhandlungen zwischen Baumeistern und Gewerkschaften. Sie endeten mit einem Eklat - seit Anfang Jahr gibt es keinen Gesamtarbeitsvertrag. Auf die kalten Wintertage auf dem Bau könnten heisse Kampftage folgen. Und bis auf Weiteres müssen Bauarbeiter Lohneinbussen hinnehmen, wenn es einfach zu kalt ist zum Arbeiten. (ank)

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